Olivenöl-Verkostung inmitten von Olivenbäumen in Apulien

Mit dem Zug nach Apulien einzurollen bedeutet durch das Fenster eine endlose Weite von Olivenbäumen zu sehen. Die Region im Stiefelabsatz Italiens ist berühmt für ihr Olivenöl. Ich wollte eintauchen in die Welt der Olivenbauern und ihrer knorzigen, alten Bäume, die schon viele hunderte Jahre auf diesem Boden verwurzelt sind. Ich wollte das flüssige Gold schmecken und riechen und sehen, wie es produziert wird.
Bei meiner Suche nach einer Olivenöl-Verkostung in Apulien fand ich das Angebot von Arianna. Sie ist Herrin über einen riesigen Olivenhain und die zugehörige Masseria Cantasole!

Besuch der Masseria & Olivenölverkostung:

Es war aufregend die farbenfrohe und rustikale Masseria Cantasole zu besichtigen und Geschichten vergangener Zeit, also dort noch 150 Arbeiter lebten, zu hören. Danach gingen wir zwischen den verschiedenen Arten von Olivenbäumen spazieren und ließen uns von der Begeisterung der Olivenbäuerin Arianna für ihre Oliven anstecken. Wir ertappten plötzlich sogar einen Olivendieb!
Im Anschluss an Führung und Spaziergang gab es zwischen den Bäumen an einer gemeinsamen Tafel zuerst die Instruktion, wie Olivenöl zu verkosten und zu beurteilen ist. Nach der Verkostung von drei verschiedenen Ölen gab es dann für alle noch leckere Köstlichkeiten der Region mit einem Gläschen Wein. Und danach selbstgebackenen Schokokuchen! Wir genossen unter anderem frischen Ricotta und Mozarella, Oliven- und Gemüseaufstrich, eingelegte Artischocken und knuspriges Brot. Wir plauderten mit ihr und ihrem Freund bis die Sonne unterging und die angrenzende Piniengruppe in orangenes Licht tauchte. Langsam ging der Mond über den Olivenbäumen auf und mit den zirpenden Grillen entstand eine zauberhafte Stimmung.

Du willst auch Olivenöl verkosten? Weiter unten findest du alle Infos – wo, wann, wie kann man buchen etc!

Mehr zu Oliven, Olivenöl und Olivenbäumen:
  • Arianna bewirtschaftet mit ihrem Team über 300 Hektar Olivenhain und 60.0000 Olivenbäume unterschiedlicher Arten.
  • Eine Gruppe von Olivenbäumen hatte letztes Jahr einen sehr großen Ertrag erbracht und dieses Jahr kollektiv beschlossen eine Pause einzulegen und keine Oliven zu trage. Arianna meinte in diesem Sinne, dass man von Olivenbäumen sehr viel lernen kann.
  • Junge Bäume werden kleiner und kompakter gezogen, damit das Ernten einfacher ist.
  • Geerntet werden die Oliven der jüngeren Bäume mithilfe von Maschinen, es wird wie ein Netz unter den Ästen ausgebreitet und dann wird der Baum geschüttelt.
  • Ältere Bäume können nicht mittels Schütteln abgeerntet werden, da sie sonst einen Schock erleiden. Sie sind das Schütteln nicht gewohnt. Man wartet, dass die Oliven abfallen und erntet sie dann.
  • Oliven sind zuerst alle Grün und verfärben sich mit zunehmender Reife zu dunklen Oliven.
  • Wir durften in eine Olive direkt vom Baum hineinbeißen. Sie schmeckte wahnsinnig bitter! Das hatte ich nicht erwartet.
  • Es gibt Oliven, die zu Olivenöl verarbeitet werden und Oliven, die man einlegt zum Essen.
  • Zum Schutz vor Insekten werden Olivenbäume mit einer Art Kalk besprüht, damit die Insekten deren Geruch nicht wahrnehmen.
  • Ein Olivenbaum kann pro Jahr 130kg Oliven produzieren. Daraus werden dann 13 Liter Olivenöl gepresst. Sogar im Kern ist etwas Olivenöl enthalten.
  • Arianna lässt das Pressen der Oliven bei einem Bekannten vornehmen. Dieser hat eine Möglichkeit gefunden die Reste, die nach dem Pressen bleiben, als Biomasse weiterzuverarbeiten.
  • Die Gesundheit der Olivenbäume wird anhand eines Referenzbaums geprüft. Er steht für die Gruppe von Bäumen.
  • Olivenbäume blühen im Frühling und die Olivenernte beginnt im September/Oktober.
  • Wenn Olivenbäume blühen und solange sie Früchte tragen, schimmern ihre Blätter silbrig. Die übrige Zeit sind die Blätter sattgrün.
  • Olivenöl riecht trocken, wie trockenes Heu, wenn es nicht mehr frisch ist.
  • Die Farbe des Öls sagt nicht über dessen Qualität aus.
  • Man verkostet das Olivenöl, indem man es im Gefäß auf Handwärme mit der Hand zugedeckt wärmt, dann riecht man daran, dann sippt man und zieht es fast ein bisschen schlürfend durch die Zähne in den Mund.
  • Ariannas Olivenöl ist preisgekrönt und schmeckt sehr intensiv. Ihre Familie verwendet ca. 3 Liter Öl pro Monat.
  • Licht, Wärme und Alter sind die Feinde guten Olivenöls. Nicht wie beim Rotwein ist Olivenöl umso besser, je frischer es ist.
  • Früher lebten um die 150 Arbeiter auf der Masseria Cantasole. Heute lebt dort nur mehr Schäferhund Max und ein Wächter.
  • Auf der Masseria gibt es sogar eine Kapelle. Einmal die Woche versammelten sich die Bewohner davor und lauschten dem Priester, der die Masseria besuchte, um eine Messe abzuhalten.
  • Neben der Masseria steht eine Gruppe riesiger Pinienbäume. Sie wurden gepflanzt, um Schatten zu spenden. Denn darunter wurde Gemüse angepflanzt zur Versorgung der Bewohner der Masseria.
  • Arianna empfahl im Frühling wiederzukommen, da dann ein besonders intensiver Duft der blühenden und gedeihenden Pflanzen in der Luft liegt.
  • Sie hat mir erzählt, dass man nächstes Jahr wahrscheinlich schon auf der Masseria übernachten kann, in einem kleinen Haus direkt neben dem riesigen Olivenhain. Ich habe schon einen Rundgang gemacht, es ist liebevoll eingerichtet, richtig gemütlich, viel Holz und mit einem „urigen“ Touch. Es könnte sein, dass man dort aber keinen Internetempfang hat, was ich persönlich nicht als Nachteil empfinde, da man so einmal richtig abschalten und einfach nur den Grillen draußen lauschen kann. Im Sommer soll es ein wahres Grillen-zirp-Konzert sein!
Die Olivenöl-Verkostung in Apulien in Bildern:

Auf meinem Instagram Account (@uncaffeperfavore.italia) kannst du dir die ganze Story und noch mehr Fotos vom Besuch auf der Masseria Cantasole anschauen. Arianna ist mit Cantasole auch auf Instagram, so kannst du ihr und ihren geliebten Oliven folgen.

Du willst auch? – Alle Infos zur Olivenöl-Verkostung:

  • Was: Führung durch die Masseria (Bauernhof), Spaziergang durch den Olivenhain und Erklärung der Produktion von Olivenöl, Verkostung von drei Sorten Olivenöl inklusive Instruktion, wie man Olivenöl richtig verkostet und zum Abschluss leckere Köstlichkeiten der Region mit Wein und Kuchen als Nachspeise.
  • Wo: Apulien, Masseria Cantasole. Anfahrt (ca. 20min mit dem Auto) von der Stadt Lecce.
  • Anreise: Die Veranstalterin bietet an im Autokonvoi von Lecce aus hinzufahren oder von ihr am Treffpunkt in Lecce abgeholt zu werden. Der Treffpunkt als ich es machte war Cioccolati Gourmet, eine Bar mit einem riesigen Wand-Schokobrunnen und witziger Beschriftung für Damen- und Herrentoilette! ;)) Den Treffpunkt konnte ich von meiner Unterkunft (B&B La Casa di Bibi) in Lecce bequem zu Fuß erreichen.
  • Buchen: „Olive oil tasting in the olive grove“ via Airbnb Experiences
  • Kosten: 30€
  • Dauer: ca. 4 Stunden
  • Uhrzeit: Nachmittags/abends
  • Verfügbarkeit: Am besten auf Airbnb Experiences nachlesen. Ich war Mitte Oktober 2019 dort.
  • Sprache: Arianna spricht Englisch und Italienisch.
  • Wann ich dort war: Mitte Oktober 2019 (Zeit der Olivenernte).
  • Warum ich es empfehle: Arianna ist mit Leib und Seele ihren Oliven verschrieben und nimmt dich mit auf ihren Hof, zeigt dir ihre Welt und du erfährst im wunderschönen Ambiente eines Olivenhains alles über Oliven, Olivenbäume und ihr kostbares Öl.

Was ich auch unbedingt einmal erleben möchte: Bei der Olivenernte dabei sein! Die läuft von Oktober bis Anfang Jänner in Apulien. Ich habe schon gesehen, dass so manches Agriturismo das als Aktivität für interessierte anbietet.

Du möchtest wissen, ob es wirklich eine gute Idee ist, im Herbst nach Süditalien zu reisen? In meinem Post „Süditalien im Herbst“ habe ich die wichtigsten Fakten und meine Empfehlung zusammengefasst.

Hast du schon einmal Olivenöl verkostet? Findest du die knorzigen alten Olivenbäume auch so faszinierend wie ich? Freu mich schon auf deinen Kommentar! :))

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