Entdecke Otranto: Badeort mit zauberhaften Ecken

Otranto ist für mich das perfekte Beispiel, dass man einem Ort immer die Chance geben sollte, richtig entdeckt zu werden. Denn auf den ersten Blick war Otranto für mich der Inbegriff eines touristischen Badeorts. Aber auf den zweiten Blick verzauberte er mich mit seinem Charme. (Aussprache: ‚Oootranto‘, Betonung auf dem ersten O!)

Otranto, der erste touristische Eindruck

Als ich nach einer entspannenden Zugfahrt am kleinen Bahnhof von Otranto ankam, folgte ich zu Fuß der blauen Google Maps Linie zum Hafen. Vorbei an einem kleinen Obstgeschäft ist man nach ein paar Minuten schon am Meer. Traumhaft türkisblaues Meer. Ein paar Leute badeten, sonnten sich am Strand. Mitte Oktober war es immer noch warm genug. Ich setze mich mit meinem Panino an den Weg entlang des Meeres, beobachtete Salamander auf den warmen Steinen und lauschte der Musik aus dem Café über mir, von dem man den perfekten Blick über die Stadt und den Strand hat.
Rundherum viele viele viele Apartments und Hotels und an der Promenade plauderten fahrradfahrende amerikanische Touristen.
Dann spazierte ich zur Burg hinauf. Am Weg ein Souvenirgeschäft nach dem anderen. Oben angekommen machte ich Fotos von der tollen Aussicht auf den Hafen, wie alle anderen Touristen.
Ein komisches Gefühl. Als ob Hafen und Altstadt zu einer Kulisse für Touristen verkommen wären. Irgendwie unecht. Ich wollte zurück zum Bahnhof und dort auf meinen Zug warten, denn ich glaubte nicht, dass Otranto noch ein anderes Gesicht haben konnte. Aber zwei Stunden am Bahnhof sitzen?
Nein, das konnte es doch nicht schon gewesen sein!

Der zweite Blick auf Otranto lohnt sich richtig!

Entschlossen marschierte ich kreuz und quer durch die Gässchen. Und es war als ob ich in eine andere Welt eintauchte, abseits der Touristentrampelpfade…

Granatäpfel

In einer ruhigen Gasse spazierte ich über Pflastersteine und bewunderte die Weinranken an der Wand neben der Laterne. Geradeaus konnte ich Teile einer romanischen Kirche entdecken. Als ich nach oben blickte, sah ich apfelförmige Früchte auf den Ästen, die über die Gartenmauer hingen. Komische Äpfel sind das, dachte ich mir. Ich ging näher heran und erkannte sie: Granatäpfel. Mir schoss es durch den Kopf: „Granatäpfel, in freier Wildbahn, live!“ Bisher kannte ich sie nur aus dem Supermarkt in perfekt pinkroter Farbe und mit recht trockenen, harten Kernchen. In Lecce habe ich dann einen Granatapfel vom Mark gekostet. Kein Vergleich: Fantastisch saftig, weich und leicht süß! Und jetzt sah ich sie tatsächlich da am Baum wachsen. Noch ganz fasziniert ging ich weiter und wäre fast über eine Katze gestolpert, die vorbeihuschte und kurz innehielt, um mir einen verwunderten Blick zuzuwerfen.

Mediterrane Häuser

Weiter spazierte ich durch enge Gassen, ein paar Stiegen hinab, in eine Sackgasse. Die Atmosphäre war beinahe kitschig schön. Die Häuser strahlend weiß oder pastellfarben, ein altes Auto fuhr vorbei, eine rosa Vespa stand geparkt an der Strasse. Und als ich gerade ein Foto von einem Hauseingang machen wollte, bemerkte ich plötzlich, dass im dunkelgrünen Ape hinter mir jemand saß. Ein alter Mann rauchte darin genüsslich eine Zigarette und lächelte mich an, als ich mich zu ihm umdrehte. Buongiorno!

…Orecchiette!

Auf dem Weg zurück zum Hafen hörte ich plötzlich lachende Frauenstimmen aus dem Inneren eines Hauses. Das Tuch vor der Eingangstüre wehte von der Zugluft. Neugierig wie ich war, sah ich mich um und ging etwas näher hin. Und dann konnte ich mein Glück kaum fassen, denn vor dem Haus waren sie plötzlich: Orecchiette auf einem Sessel draußen zum Trocknen! Die typisch apulische Pasta!
Ich hatte mir so sehr gewünscht in Bari die Orecchiette Damen zu sehen, wie sie in den Gassen der Altstadt die ‚kleinen Öhrchen‚ formen und dann dort zum Trocknen und Verkaufen auflegen. Leider hatte es damals nicht geklappt. Und dann gehe ich einfach so durch Otranto und entdecke etwas so Typisches, ohne dass es extra für Touristen dargeboten wird! Manchmal geht man wohin ohne zu wissen warum, und findet doch, was man gesucht hat! ;))

Zum Abschluss: Hochgenuss in der Konditorei Martinucci

Rundum glücklich ging ich zurück zum Hafen. Etwas Süßes wollte ich mir jetzt noch gönnen. Das Café mit den grünen Sesseln mit Blick aufs Meer sah nett aus.
Wer hätte gedacht, dass sich drinnen eine wunderbare Patisserie verbarg! Mir lief schon das Wasser im Mund zusammen, als ich die tollen Hörnchen, Kugeln, Kekse und Torten in den langen Vitrinen sah.
Es war unbeschreiblich. Eine wahre Geschmacksexplosion. Und ich übertreibe nicht.
Wenn du in Otranto bist, musst du zu unbedingt zur Konditorei Martinucci. Wenn du keine Zeit hast, lass dir etwas in eine Box zum Mitnehmen einpacken. Lass dir diesen Genuss auf keinen Fall entgehen!

Praktischer Tipp für Ausflüge ans Meer:

Apulien hat zwei Küsten und liegt sowohl am adriatischen Meer (z.B. Otranto) als auch am ionischen Meer. Bei Südwind ist das adriatische Meer ganz glatt und perfekt zum Baden und das ionische wellenreich. Bei Nordwind ist es genau umgekehrt, dann ist das ionische Meer ganz glatt und das adriatische aufgewühlt und windig. Diesen praktischen Tipp hat mir meine Italienischlehrerin Daniela in Lecce gegeben! Wenn du einen Ausflug planst und wissen willst, in welcher Windrichtung der Wind bläst, kannst du z.B. auf Windfinder nachschauen.

Und jetzt die Bilder zu meinen Beschreibungen:

Ein paar Videos aus Otranto findest du auf meinem Instagram-Account (@uncaffeperfavore.italia).

Genug geschwärmt! ;)) Warst du schon einmal in Otranto? Oder kennst du einen Ort, der auf den ersten Blick sehr touristisch wirkt, aber bei dem sich ein zweiter Blick lohnt?

Willst du nach Otranto?

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